Am vergangenen Mittwoch war es soweit, das Finale des BEO Cup 2025 stand an. Allerdings stand in beiden Klassen der Sieger schon fest, es ging letztlich nur noch darum, die jeweils Zweitplatzierten zu ermitteln. Also ein Rennabend just-for-fun sollte man meinen, aber es kam anders als erwartet, und im Grunde kam es als Crash mit Ansage.

"Bringt aufgeladene Handys mit, wir fahren mit Smartrace" hieß es im Vorfeld seitens Denis, dem Gastgeber. Nun gut, wir sind zuvor bisher zweimal bei ihm mit Smartrace gefahren, beim ersten Mal war ich nicht dabei, und beim zweiten Mal funktionierte diese Lösung grenzwertig schlecht. Die Vorfreude war deshalb nicht riesig, aber gut, geht um nichts, also kann man das ja nochmal testen. Oft werden bei Software im Laufe der Zeit ja Fehler behoben und Features optimiert.

So trafen sich Daniel, Michael und Markus bei Denis in der Carrera Sport Arena in Erkelenz, um auf dem Erka-Ring 4 die Regler zu kreuzen. Autos auf die Bahn, los ging es wie immer in diesem Jahr mit den BMW M1. Beim Einfahren war alles soweit okay, die Handys wurden per QR-Code mit dem Tablet verbunden, dass die Rennzentrale übernehmen sollte. Auf den Handys wurden dann zum Beispiel der Tankstand und die Zeiten des jeweiligen Fahrers angezeigt, und nach entsprechender Konfiguration diente das Display als Chaostaster. Super Idee.

Schon beim Einfahren zeigte sich dann aber bei Daniel und Markus ein erhöhter Bremswert am Fahrzeug. Die Ursache war nicht herauszufinden, laut Rennleiter Denis sei die Software nicht dafür verantwortlich. Also den Bremswert neu eingespeichert per CU, und ran an die Qualifikation. Michael startete in seine 5 Runden, setzte eine Zeit, und bevor seine letzte Runde beendet war, rollte Denis in seine erste. Als er dann auch fertig war quittierte Smartrace dies mit "Qualifikation beendet". Wir wunderten uns, und Denis äußerte den Verdacht, dass wir alle, um an der Qualifikation teilnehmen zu können, das Auto einmal über die Ziellinie bewegen müssen. Gesagt getan, irgendwie nicht durchdacht programmiert, aber kein Beinbruch, dann machen wir das eben so.

Also die Qualifikation neu gestartet,

Hier zeigten sich alle vier Fahrzeuge zeitlich eng beieinander, am Ende hatte Michael mit einer 5,601s die Nase vorn. Markus folgte auf P2 mit einer 5,642s, Denis auf P3 (5,654s), Daniel rundete das Feld ab mit einer 5,768s auf P4.



So ging es dann ins Rennen. Vom Rennverlauf weiß ich gar nicht mehr so viel zu berichten, nur dass bei Daniel und Markus wieder plötzlich die Bremse volle kanne aktiviert war. Daniel klagte zudem über eine herabgesetzte Geschwindigkeit. Markus erster Gedanke war "ungewohnt, aber geht, eigentlich ja sogar passend für den engen, kurvenreichen Kurs". Allerdings kam dann noch ein weiterer Faktor ins Spiel: Mein Freund, die Kurvenweiche. Eine Schiene, die in etwa so sinnvoll ist wie die Engstelle oder der Spurwechsel, hat in keiner Strecke der Welt eine Daseinsberechtigung. Wäre es die Einfahrt in eine K4 okay, aber bei der Einfahrt in eine K1 mit dem Einlenkradius einer K0, absolut überflüssig und von niemandem wirklich genutzt. Aber das eigentliche Problem ist ein anderes: Wie bei jeder Weiche ist der Strom zum Fahrzeug beim Überfahren der Weiche kurz unterbrochen, und dies unmittelbar vor der Kurve. Bei Carrera ist es leider so, dass eine Unterbrechung der Stromzufuhr bei Wiederaufnahme zu komischem Verhalten führen KANN. Das fällt meist nicht auf, weil bei einer normalen Weiche bei der Unterbrechung nicht gelupft wird, man fährt da auch nicht extra langsam drüber. Bei der Kurvenweiche hingegen führte das Überfahren mit 50% Gas hin und wieder dazu, dass das Auto bei Wiederaufnahme des Stroms einen Boost bekam und geradeaus in die Bande knallte. Ein Problem, mit dem in diesem Rennen nur Daniel und Markus konfrontiert waren, weil ja deren Bremswert hochgesetzt war. Das übliche in-die-Kurve-Reinrollen funktionierte nicht, ohne Gas am Drücker wäre das Auto unweigerlich stehen geblieben. Also ging es für beide Runde für Runde ins Kurvenweichenroulette. Was soll's, der Drops der Ligawertung war ja schon gelutscht, Rennen zu Ende fahren und gut ist. Bei Denis und Michael gab es diesen Effekt nicht, die konnten ja einfach drüber rollen lassen.
Am Ende machte Michael, von Smartrace liebevoll "Betonmischer-El" genannt, aus seiner Pole auch einen Sieg. Glückwunsch dazu! Markus beendete das Rennen auf P2, Daniel konnte Denis noch hinter sich lassen, und fuhr auf P3 ins Ziel, Denis dann auf P4. Die schnellste Runde ging an Markus mit einer 5,544s. Ach, und noch nebenbei erwähnt, die Handys als Chaostaster quittierten ihren Dienst der Reihe nach. Zwar reagierten die Displays noch auf eine Berührung und quittierten das mit einem Blinken des Displays, der Rennleitungssoftware auf dem Tablet war das allerdings egal. Uns irgendwie auch, wir sind dann halt zurück zum altbewährten Stopp-Rufen.





Das führte zu folgendem Endstand in der Klasse BMW M1:



Der ging an Markus, an Daniel, P3 an Denis und P4 an Michael.

Und so ging es weiter mit der DTM. Alles wie gehabt: Für's Qualify mussten wir die Autos einmal über die Ziellinie ziehen um teilzunehmen, wieder verstellte die Software den Bremswert bei Daniel und Markus, und wieder wurde die Kurvenweiche zum Endgegner. Aber das Qualify waren ja nur 5 Runden.

Diesmal sicherte sich Denis im Audi mit einer 5,147s die Pole, gefolgt von Markus (5,202s), Michael (5,426s) und Daniel (5,547s). Ein erneutes Einstellen des Bremswerts ließen wir direkt sein, das würde sowieso wieder von der Software sabottiert. Und so ging es dann ins Rennen.

Auch in dem Rennen kann ich vom Rennverlauf nich viel berichten. Denis fuhr vorweg und war schnell unterwegs, Markus hinterher mit dem ewigen Kampf mit der Kurvenweiche. Am Ende gewann Denis ohne Abflug verdient mit einem überraschend geringen Vorsprung (+0,338s) vor Markus, der den Kampf mit der Kurvenweiche doch das eine oder andere Mal verlor. Vermutlich war die im Rennbildschirm auf P5 geführte Fehlmessung eine Runde, die bei Denis nicht gezählt hat, was dann zu dem engen Ergebnis geführt hat. P3 ging an Michael (+7 Runden) und P4 an Daniel (+14 Runden), der aufgrund der verstellten Geschwindigkeits- und Bremswerte sichtlich die Lust verlor.



Aber ein Rennen war ja noch, das zweit der DTM und das letzte der Saison im BEO 2025. Wie immer, ungekehrte Startreihenfolge. Markus, auf P3 startend, bekam schon in Runde 1 das Heck eines der anderen Fahrzeuge ab und flog aus dem Slot. Okay weiter. Runde zwei Kurvenweichenroulette verloren. Es war der Punkt erreicht, an dem ein Runterspielen der widrigen Verhältnisse nicht mehr möglich war, und er war kurz davor, das Auto einfach im Slotkoffer zu parken und das Rennen zu beenden, wurde aber von Daniel mit einem "komm, das bringen wir noch zu Ende" davon abgehalten. "Ok, aber ich dümpel nicht hinterher", dachte sich Markus, nahm das Messer zwischen die Zähne und war bemüht, noch das bestmögliche aus dem Rennen herauszuholen. Ein bisschen richtete sich der aufgestaute Frust gegen Denis, der ja zum einen Schuld war am Einsatz dieser verf*ckten Software, und außerdem so ziemlich jedes verlorene Kurvenweichenroulette mit einem "Also ich hab da keine Probleme" (kein Wunder, bei Dir verstellt die Software ja auch nicht den Bremswert) oder "komisch, dass nur Du da Probleme hast". Die Stimmung war gefühlt angespannter als jemals sonst beim BEO Cup, ein wenig legte es Markus im Laufe des Rennens aber auch darauf an. Fuhr Denis hinter ihm im gleichen Slot, so wurde beim Kurvenweichenroulette keinerlei Risiko gegangen und förmlich in die Kurve reingeschlichen. Das wäre dann auch die Gelegenheit für Denis gewesen, die Weiche mal zu nutzen, passierte aber nicht. Irgendwann ging es dann wie so oft zum Tanken an die Box. Hier muss man wissen, dass man zwar die Schritte des Tankens in Smartrace einstellen kann, wenn man dort aber 1%-Schritte einstellt, dann dauert das Tanken auch 10x so lange wie bei 10%-Schritten, die dann bei uns eingestellt waren. Also, Markus zum Tanken. 10%...20%...30%.....90%...und jetzt unbedingt vor Denis aus der Box raus, bloß nicht dahinter. Es waren gefühlt 99,7% Sprit getankt, aber die Software simuliert einen Tankwart, der 10 Kanister bereitstehen hat für 100% Sprit, und immer bei erreichten 10% den Kanister mit Hochdruck instant in den Tank leert. Mit dem Ergebnis, dass er bei 99,7% Standzeit gerade dabei war, den Kanister anzusetzen, aber da war das Auto auch schon weg. Pech gehabt, also mit 90% Sprit zurück auf die Strecke statt mit 99,7%. Klingt nach Haarspalterei, wenn man aber an das Rennen zuvor zurückdenkt, das mit 0,3 Sekunden Vorsprung entschieden wurde, dann kann auch hier die Software mal wieder rennentscheidend sein. Nun kann man natürlich sagen, das sei ja für alle gleich, aber so denken nur Apple-User. Da ist das schon im Blut, die Unzulänglichkeit der Software mit dem Ändern des eigenen Verhaltens zu umgehen. Nun gut, ich schweife ab. Vorne blieb es weiter spannend zwischen Denis und Markus, wobei Markus, mittlerweile mehr als angefressen, nicht unbedingt zimperlich mit Denis umging. Denis war in der Regel schneller unterwegs, fing sich aber beim Überholen doch das eine oder andere Mal das Heck von Markus Ferrari, und dann daraus folgend auch einen Zusatzstopp in der Box ein. Das Rennen näherte sich dann dem Ende, Denis und Markus waren immer noch in der gleichen Runde unterwegs, Markus in Führung und Denis dahinter, Zehntel um Zehntel am Aufholen. 21 Minuten dauerte das Rennen, und in Markus kam so langsam der Gedanke auf, aufgrund des mehrfachen Verursachens von Denis Abflügen - wenn auch nie vorsätzlich - Denis den Sieg zu überlassen. Dieser Sieg (für Markus) wäre schon ein ziemlich dreckiger. So näherten wir uns dem Ende, Denis war vielleicht noch zwei Sekunden hinter Markus. "Also bei 21 Minuten Spur wechseln und Denis vorbeilassen", dachte sich Markus... 21 Minuten um, zack Rennen zuende, Markus hat gewonnen. WHAT? Wo in der Welt des Rennsports endet ein Rennen nicht mit der Überfahrt der Ziellinie??? Das gibt es nur bei Smartrace - und so hieß der Sieger Markus, Denis 2,3 Sekunden dahinter auf Platz 2. Michael folgte 14 Runden später - aber mit neuem Bahnrekord "4,002s". Daniel hatte sogar 28 Runden Rückstand, sein Motto war wohl "es wird irgendwann vorbei sein".





Die schnellste Runde ging wie gesagt an Michael, auch wenn das höchstwahrscheinlich eine Fehlmessung war, gab es trotz Rückfrage keine Korrektur. Dann bekommt halt Michael den Punkt für die schnellste Runde.

Dies führt zu folgendem Endstand in der DTM:



Auch hier geht der Gesamtsieg an Markus , P2 geht diesmal an Denis . P3 sicherte sich Daniel vor Michael.

Dieser Abend war sicher nicht der ruhmreichste in der Geschichte des BEO-Cup. Fazit am Ende: Smartrace eignet sich höchstens für den Einsatz im Kinderzimmer, und das auch nur, wenn man möchte, dass das Kind keine Freunde hat. Nein, mal ernsthaft, die Software zeigt gute Ansätze und sieht auch hübsch aus, aber im Detail steckt der Teufel. Funktionen, die implementiert sind, haben gefälligst auch zu funktionieren, und an vielen Stellen wurde einfach nicht zu Ende gedacht, wie beim Tanken oder beim abrupten Ende des Rennens nach Ablauf der Zeit. Zudem Details wie kein Blinken des Autos auf Reserve, was sich auch nicht wieder aktivieren ließ. Ja, in echt blinken die Autos auch nicht, bei uns waren die Stints aber seeeehr kurz, gefühlt war der Tank auf Reserve sobald man aus der Box fuhr. Es ist halt viel entspannter auf das Blinken zu achten, statt ständig auf die Leinwand zu gucken. Und die Ansagen, ähnlich wie bei CockpitXP bei Standartsettings, sind einfach zu viele, um denen ständig Aufmerksamkeit zu bekommen.
Was aber gar nicht geht ist die Sache mit den Brems- und in Daniels Fall auch Speedwerten. Denis beteuerte, er habe das nicht in der Software eingestellt, und er hat auch nirgends eine Einstellung gefunden, die das verursachen könnte. Da in der Regel die CU nicht ohne Einwirkung von außen Werte verstellt, kann es nur an Smartrace liegen. Wie gesagt, haste Smartrace, dann haste (bald) keine Freude (mehr).

Um noch etwas positves zum Abschluss zu sagen: Saison 9 des BEO Cup geht zu Ende, mit mehr gefahrenen Rennen als je zuvor. Weiter geht's im neuen Jahr mit der Jubiläumssaison 10, wieder mit der DTM, und die BMW M1 wird durch die SLS Serie ersetzt. Hier werden - wenig überraschend - Mercedes SLS zum Einsatz kommen. Die fristeten bisher ein Dasein abseits des BEO Cup und werden erstmals eingesetzt.

Frohes Fest